© Christoph Schiedlbauer

Ich mach mein Filament selbst- ein Interview

In vielen Foren und Communities ließt man über das Problem gutes Filament zu bekommen. Obwohl sich  oft Tipps für gute Shops finden, gibt es natürlich noch den Königsweg – Filament selbermachen. Christoph Schiedlbauer hat dies probiert und mir beim Treffen der 3D  Community im Museumsquartier mehr darüber erzählt und das möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Die Materialwahl

Spannend – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen druckt Christoph lieber ABS als PLA und kann auch nichts über  Geruchsbelästigung bei der Verarbeitung von ABS berichten.  So produziert er auch lieber ABS weil dies auch in der Produktion besser verarbeitbar ist. Ebenfalls experimentiert er mit PET – das er allerdings schon als Granulat einkauft – da die bisherigen Versuche des schredderns von diversen PET Flaschen noch nichtoptimal gelungen sind.
© Christoph Schiedlbauer

© Christoph Schiedlbauer

Der Filamaker

Zur Entstehung der Filament-Maschine meint Christoph:  Ich setze eine professionell gefertigte Förderschnecke samt Heizung sowie einen nicht mehr gebrauchten Garagentorantrieb für meine Experimente ein – darüber hinaus zählt er noch ein paar wichtige Details der Maschine auf:
  • Eine kleine Messing-Düse (lediglich eine längs durchbohrte Stange), die von unten an den Extruder gepresst wird, damit sich der Düsen-Durchmesser leicht ändern lässt.
  • Weil sich der Motor für den Direkt-Antrieb als zu schwach erwiesen hat habe ich eine Untersetzung von 9:36 eingebaut (gedruckte ABS-Zahnräder), weil es Raum für Änderungen mit simplen Werten ließe.
  • Durch eine Hängende Halterung, kann man Material abhängig jeweils die optimale Höhe einstellen um das fertige Filament gleich für die Lagerung auf Rollen in Form zu bringen.
  • Gedruckt sind auch noch der Trichter für’s Granulat und eine Lüfter-Halterung, die dank Zick-Zack-Arm (siehe Bild) den Einfüllstutzen nun wesentlich stabiler machen.

Ein paar Details hat Christoph dann noch auf Nachfrage rausgerückt:

Georg: „Mit wieviel Grad am Extruder kannst du das Filament drucken?“

Christoph: „An der Heizung lassen sich 400°C einstellen. Bei ersten Versuchen mit PET-Granulat musste ich ein wenig über 260°C einstellen, ich will die Geräte aber nicht unnötig stressen. Die allermeisten 3D-Drucker könnten das Filament ohnehin nur bis max. 250°C verarbeiten.“

Georg: „Welche Filmente hast du bisher ausprobiert?“

Christoph: „ABS, PP und LDPE ließen sich einfach auf den Boden extrudieren, PLA kommt gekühlt auf die drehende Platte. PET könnte wie PLA funktionieren, die Versuche habe ich aber eingestellt, weil ich für die hohe Temperatur auch die Düse am Drucker ändern müsste. PP und überhaupt LDPE hatten jeweils Probleme mit der Bodenhaftung, sind also für’s 3D-Drucken kaum geeignet.“

Georg: „Welchen Tipp würdest du Hobby Recyclern geben?“

Christoph: „Eine Ersparnis dürfen sich beim Bau eines Extruders wohl nur wenige Enthusiasten erhoffen. Zu den Kosten für die Teile und das Granulat kommen viele Arbeitsstunden für den Aufbau, das lang dauernde Extrudieren und notwendige Wartungsarbeiten. Man sollte zumindest an einer Ecke des Themas Voraussetzungen mitbringen, also entweder schon Zutaten für die Gerätschaft, Granulat, ein starkes Verlangen nach selbst Extrudiertem, oder man braucht einfach 100kg Filament im Jahr. Als kleines Plus gegenüber gekauftem Granulat kann man dann aber auch mit Farbübergängen oder gemischten Zutaten experimentieren.

Georg: „Welcher Deiner Versuche Plastik zu shreddern war der erfolgreichste?“

Christoph: „Am besten war ein Standmixer, in den ich dünnwandiges, grob zerschlagenes PLA geworfen hab. Das macht Lärm und zerkleinert nicht alles, aber man erhält auch feinen Staub und Brösel, die sich vielleicht zum Recyclen eignen. Vielleicht, denn ich hab so nur recht wenig Material erhalten, musste die eckigen Teile immer wieder am Eingang des Extruders aufschütteln und konnte zu der Zeit PLA noch nicht verarbeiten (es ist nur rausgeronnen). Ein aussagekräftiger Versuch mit Recycling-PLA ist also noch ausständig.“

© Christoph Schiedlbauer

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Georg: „Was hast du für das Granulat gezahlt – sprich was kostet die Herstellung von einem Kilo Filament?“

Auf www.reprapworld.com kostet 1kg Granulat ca. 7 EUR   (PLA und ABS), während 1kg günstiges Filament bei ca. 17 EUR liegt. Den Strom würde ich fast vernachlässigen (weit unter 50 Cent pro kg), aber der Kauf eines „Filastruder“ um 700 Dollar … da müsste man schon Großes damit vorhaben, wenn sich’s bald rentieren soll.

Wer mehr zu dem Thema erfahren will findet Christoph auf den 3D Druck Community Treffs jeden 1. Dienstag im Monat im MQ, bzw. hat die  Gruppe auch ein Diskusionsforum in dem dieses Thema diskutiert wird.

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